Funktransponder (RFID Technologie) in der Medizintechnik PDF Drucken E-Mail

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RFID bedeutet „Radio Frequency Identification“ und ermöglicht eine schnelle, automatische und berührungsfreie Erkennung und Identifikation von Objekten und Gegenständen mittels Funkwellen. Die in der Industrie und Handel schon vielfältig eingesetzte Technologie steht vor dem Einzug in die Medizin und in die Medizintechnik. Der folgende Beitrag erläutert die technologischen Grundlagen und erste erkennbare Anwendungen im Gesundheitswesen. Die Medizintechnik muss sich mit einer neuen Technologie auseinandersetzen, die zukünftig nicht nur die Instandhaltung erkennbar beeinflussen und verändern wird.

 

1. RFID-Technologie

Nach einer Definition des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind RFID-Systeme „Verfahren zur automatischen Identifizierung von Objekten über Funk. Der Einsatz von RFID-Systemen eignet sich grundsätzlich überall dort, wo automa- tisch gekennzeichnet, erkannt, registriert, gelagert, überwacht oder transpor- tiert werden muss“.

Die Bauformen von Transpondern reichen vom Glas-Injektat über die elektrische Ohrenmarke bis zu Scheckkartenformaten, verschiedenen Scheibenbauformen sowie schlagfesten und bis zu 200 Grad Celsius hitzebeständigen Datenträgern für die Lackierstraßen der Automobilindustrie. Die flexible Auslegbarkeit der Identifikationspunkte, Baugröße, Form und Feldcharakteristik der Antenne machen RFID-Systeme insgesamt zu einer sehr vielseitigen automatischen Identifikationstechnologie.
Wenn sich RFID-Systeme für alle Orte eignen, an denen automatisch gekennzeichnet, erkannt, registriert, gelagert, überwacht oder transportiert werden muss, können sie in zahlreichen unterschiedlichen Aufgabenbereichen zur Anwendung kommen, z. B. bei der Identifizierung von Lebewesen aller Art oder beweglichen Dingen wie Fahrzeugen. Implementierungen dieser äußerst universellen Technik finden sich daher in der Produktion, im Handel, in der Logistik, aber auch in der Medizin.
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Bild 1: Prinzip der Funktionsweise eines RFID-System (Quelle Siemens)


RFID-Transponder stellen keinen Elektronikschrott mehr dar, wenn sie aus anderen Materialien, z. B. auf Polymerbasis, hergestellt werden. Außerdem wird dieser Technik durch eine dauerhafte individuelle Markierung ein großes Potenzial im Kampf gegen Plagiate zugeschrieben.

RFID-Systeme werden also in vielfältigen Varianten angeboten. Trotz der großen Bandbreite der Lösungen ist jedes RFID-System durch drei Eigenschaften definiert:

Elektronische Identifikation:         Das System ermöglicht eine eindeutige Kennzeichnung von Objekten durch elektronisch gespeicherte Daten.

Kontaktlose Datenübertragung:         Die Daten können zur Identifikation des Objekts drahtlos über einen Funkfrequenzkanal ausgelesen werden.

Senden auf Abruf (on call):         Ein gekennzeichnetes Objekt sendet seine Daten nur dann, wenn ein dafür vorgesehenes Lesegerät diesen Vorgang abruft.

RFID (Radio-Frequenz-Identifikation) wird zur berührungslosen Identifikation von Objek- ten eingesetzt, beispielsweise Paletten, Transportbehältern, Kollies, Umverpackungen und Artikeln. Dazu werden Funktransponder (siehe Bild 2) eingesetzt, für die auch folgende Begriffe synonym verwendet werden:

  • elektronische Etiketten
  • multifunktionale Smart Card
  • Funk-Chip
  • Smart Label (Smart Lables sind papierdünne, etwa visiten- kartengroße Transponder, die sich aufkleben oder in Papier und Kunststoff einlaminieren lassen und eine typische Reichweite von einem Meter besitzen, siehe Beispiele Bild 3 und 4)
  • Tag
  • usw.

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Bild 2: Transponder Bauformen (Quelle Siemens)

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Bild 3: Beispiel für Smart Label 1
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Bild 4: Beispiel für Smart Label 2

Ein RFID-System wird als Oberbegriff für die komplette technische Infrastruktur verwendet, die aus folgenden Komponenten besteht:
  • den Transponder (auch RFID-Etikett, -Chip, -Tag, -Label, Funketikett oder -chip genannt),
  • die Sende-Empfangs-Einheit (auch Reader genannt, siehe Bild 6) und
  • die Integration mit Servern, Diensten und sonstigen Systemen wie z. B. Kassensystemen oder Warenwirtschaftssystemen (vgl. Middleware).
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Bild 5: Bauformen verschiedener Lesegeräte (Quelle Siemens)

Middleware bezeichnet in der Informatik anwendungsunabhängige Technologien, die Dienstleistungen zur Vermittlung zwischen Anwendungen anbieten, so dass die Komplexität der zugrunde liegenden Applikationen und Infrastruktur verborgen wird. Man kann Middleware auch als eine Verteilungsplattform, d. h. als ein Protokoll (oder Protokollbündel) auf einer höheren Schicht als der der gewöhnlichen Rechnerkommunikation auffassen.

Middleware stellt eine Ebene in einem komplexen Software-System dar, die als „Dienstleister“ anderen ansonsten entkoppelten Softwarekomponenten die Kommunikation untereinander ermöglicht. Meist erfolgt diese Kommunikation mit Hilfe eines Netzwerkes, das durch die Middleware für die sie benutzenden Softwarekomponenten transparent gemacht wird. Middleware arbeitet dabei auf einem hohen Niveau innerhalb des OSI-Schichtenmodells: Ihre Aufgabe ist also nicht die Low-Level-Kommunikation für einzelne Bytes (wie sie beispielsweise schon ein Betriebssystem bereitstellt).

Middleware organisiert den Transport komplexer Daten (sog. Messaging),  vermittelt Funktionsaufrufe zwischen den Komponenten (sog. Remote Procedure Calls) und stellt die Transaktionssicherheit über ansonsten unabhängige Teilsysteme her (Funktion als Transaktions-Monitor).

Middleware stellt technisch Software-Schnittstellen und/oder Dienste bereit. Eine Softwarekomponente A, die die Middleware-Schicht benutzen möchte, um mit einer Softwarekomponente B zu kommunizieren, kann diese Schnittstellen benutzen. Die entsprechenden Aufrufe werden von der Middleware-Softwarekomponente über ein Netzwerk weitergereicht (dabei werden in der Regel gebräuchliche Netzwerk-Standardprotokolle (fast immer TCP/IP, darauf aufbauend meist HTTP, darauf aufbauend u. a. SOAP, Web Services verwendet). Auf der Empfängerseite setzt die Middleware die Anforderung in einen Funktionsaufruf an die Software B um. Gegebenenfalls leitet sie die „Antwort“ der Komponente B an Komponente A auf demselben Weg zurück.

Transponder, auch als Tag bezeichnet, bestehen aus:

  • Mikrochip
  • Antenne
  • Träger oder Gehäuse
  • Aktive Transponder enthalten eine Energiequelle.

Die berührungslose Funktechnik ermöglicht die Datenübertragung zwischen einem mobilen oder stationären Lesegerät und einem Funktransponder (Tag).

Ein Tag besteht im Prinzip nur aus einem Chip mit der dazugehörigen Antenne, wobei der Chip nichts anderes als einen elektronischen Barcode mit Zusatzinformationen darstellt. Der Chip ist in Abhängigkeit vom jeweiligen Einsatzgebiet in Papier, Kunststoff oder Keramik verpackt. Mittlerweile können die Transponder in vielfältigen Formen (quadratisch, rechteckig oder rund) in sehr kleinen Abmessungen hergestellt werden; ihre Fläche beträgt zum Teil weniger als 2,5 cm2 mit einer Stärke im Mikrometerbereich. Die Fertigungskosten für derartige Transponder betragen derzeit ca. 25 Cent pro Stück, bei hochtemperaturfesten Transpondern mit großem Speicher bis zu 300 €. Dies bedeutet, dass temperaturfeste Transponder auch den üblichen Dampf-Sterilisationsverfahren in der Medizintechnik mit Temperaturen von bis zu 134 Grad Celsius unterzogen werden können.

Der Transponder fungiert als eigentlicher Datenträger. Er wird an einem Objekt angebracht (beispielsweise an einer Ware oder einer Verpackung) bzw. in ein Objekt integriert (z. B. in eine Chipkarte) und kann kontaktlos über Funktechnologie ausgelesen und je nach Technologie auch wieder beschrieben werden. Grundsätzlich setzt sich der Transponder aus einer integrierten Schaltung und einem Radiofrequenzmodul zusammen. Auf dem Transponder sind eine Identifikationsnummer und weitere Daten über den Transponder selbst bzw. das Objekt, mit dem dieser verbunden ist, gespeichert.

Ein Transponder benötigt mindestens zwei Komponenten:

a) den Chip, der Prozessor und Speicher enthält

b) und die Sende- und Empfangsantenne, die für den Datenaustausch der Funkwellen sorgt.

Mit der Antenne des Transponders wird die Datenübertragung zur Antenne des Lesegerätes durchgeführt und somit die Anbindung zur Automatisierungs- bzw. IT-Welt hergestellt. Gelangt nun ein Transponder in den Erfassungsbereich der Antenne eines Lesegerätes, kann das Lesen bzw. Schreiben von Informationen erfolgen. Bei niedrigen Frequenzen geschieht dies induktiv über ein Nahfeld, bei höheren über ein elektromagnetisches Fernfeld. Die Entfernung, über die ein RFID-Transponder ausgelesen werden kann, schwankt aufgrund der Ausführung (passiv/ aktiv), benutztem Frequenzband, Sendestärke und Umwelteinflüssen zwischen wenigen Zentimetern und mehr als einem Kilometer. Die Form und Größe der Antenne ist abhängig von der Frequenz bzw. Wellenlänge. Je nach geforderter Anwendung werden Transponder in unterschiedlichen Bauformen, Größen und Schutzklassen angeboten.

Je nach Baugröße der Leseantennen und des verwendeten Frequenzbereiches liegt der Leseabstand normalerweise zwischen wenigen Millimetern bis zu einigen Metern.

Die meisten RFID-Transponder senden ihre Informationen in Klartext, einige Modelle verfügen aber auch über die Möglichkeit, ihre Daten verschlüsselt zu übertragen.

Ein wesentlicher Vorteil dieser Technologie gegenüber den weit verbreiteten Barcodes liegt darin, dass sie sich berührungslos und ohne direkten Sichtkontakt auslesen lassen. Tags können wesentlich mehr Informationen als Barcodes aufnehmen und sind zugleich gegen Verschmutzungen oder Verschleiß durch Verkapselung geschützt. Ein weiterer Vorteil liegt darin, das ein RFID-Lesegerät in der Lage ist, bis zu 200 Tags auf einmal auszulesen; dies bedeutet, dass im Handel, in der Logistik ,wie auch bei der Verteilung von Medicalprodukten im Krankenhaus eine Fülle von Gegenständen gleichzeitig identifiziert und registriert werden können. Zurzeit wird die RFID-Technologie in hohem Maße in den Branchen Großhandel und Prozessfertigung eingesetzt. Weitere Potenziale, die in der nächsten Zeit erschlossen werden, liegen in den Bereichen Logistik, Transport und damit im Gesundheitswesen, wie Verbrauch von Medicalprodukten aber auch Überwachung und Kontrolle der Instandhaltung von aktiven Medizinprodukten.

Das Erfassungs- oder Lesegerät besteht je nach eingesetzter Technologie aus einer Lese- bzw. einer Schreib-/Leseeinheit sowie aus einer Antenne. Das Lesegerät liest Daten vom Transponder und weist gegebenenfalls den Transponder an, weitere Daten zu speichern. Weiterhin kontrolliert das Lesegerät die Qualität der Datenübermittlung. Die Lesegeräte sind typischerweise mit einer zusätzlichen Schnittstelle ausgestattet, um die empfangenen Daten an ein anderes System (z. B. PC) weiterzuleiten und dort weiter zu verarbeiten.

2. Funktionsweise der RFID-Technologie

Energieversorgung

Auch die Art der Energieversorgung des Transponders und die daraus resultierende Unterscheidung in aktive Transponder mit eigener Energiequelle bzw. passive Transponder, die durch das Lesegerät mit Energie versorgt werden, sind von grundlegender Bedeutung. Auf Grund dieser Merkmale können Gruppen von RFID-Systemen gebildet und bezüglich der Leistungsfähigkeit ihrer jeweiligen Komponenten in Low-End-Systeme, Systeme mittlerer Leistungsfähigkeit und High-End-Systeme unterschieden werden.

Energieversorgung
Das deutlichste Unterscheidungs-Merkmal stellt die Art der Energieversorgung der RFID-Transponder dar. Kleine batterielose RFID-Transponder besitzen keine eigene Energieversorgung und müssen ihre Versorgungsspannung durch Induktion aus den Funksignalen der Basisstationen gewinnen. Dies reduziert zwar die Kosten und das Gewicht der Chips, gleichzeitig verringert es aber auch die Reichweite. Diese Art von RFID-Transpondern wird z. B. für Produktauthentifizierung bzw. -auszeichnung, Zahlungssysteme und Dokumentenverfolgung eingesetzt, da die Kosten pro Einheit hier ausschlaggebend sind. RFID-Transponder mit eigener Energieversorgung erzielen eine erheblich höhere Reichweite und besitzen einen größeren Funktionsumfang, verursachen aber auch erheblich höhere Kosten pro Einheit. Deswegen werden sie dort eingesetzt, wo die zu identifizierenden oder zu verfolgenden Objekte eine lange Lebensdauer haben, z. B. bei wiederverwendbaren Behältern in der Containerlogistik oder bei Lastkraftwagen im Zusammenhang mit der Mauterfassung.

Zum Betrieb, insbesondere zur Signalmodulierung muss der RFID-Mikrochip mit Energie versorgt werden, dafür gibt es prinzipiell in zwei Ausführungen:

1. Passive RFID-Transponder beziehen ihre Energie zur Versorgung des Microchips aus den empfangenen Funkwellen, oft als "Continuous Wave" bezeichnet. Mit der Antenne als Spule wird durch Induktion ein Kondensator aufgeladen, welcher den Tag mit Energie versorgt. Die Continuous Wave muss aufgrund der geringen Kapazität des Kondensators durchgehend vom Lesegerät gesendet werden, während der Tag sich im Lesebereich befindet.

2. Aktive RFID-Transponder sind batteriebetrieben, d.h. sie beziehen die Energie zur Versorgung des Mikrochips aus einer eingebauten Batterie. Normalerweise befinden sie sich im Ruhezustand bzw. senden keine Informationen aus, um die Lebensdauer der Energiequelle zu erhöhen. Nur wenn ein spezielles Aktivierungssignal empfangen wird, aktiviert sich der Sender. Nicht genutzt werden kann die Energie der Batterie für das Erzeugen des modulierten Rücksignals, dennoch erreicht man durch höheren Rückstrahlkoeffizienten beim Backscatteringverfahren aufgrund des geringeren Energieverbrauches an Feldenergie eine deutlich höhere Reichweite.



Speicherkapazität

Die Speicherkapazität reicht je nach Fabrikat von wenigen Bytes bis zu derzeit 32 KBytes. Es ist davon auszugehen, dass die Speicherkapazität zukünftig deutlich wachsen wird.

RFID-Transponder können über einen mehrfach beschreibbaren Speicher verfügen, in dem während der Lebensdauer Informationen abgelegt werden können. Je nach Anwendungsgebiet unterscheiden sich auch die sonstigen Kennzahlen wie z. B. Funkfrequenz, Übertragungsrate, Lebensdauer, Kosten pro Einheit, Speicherplatz, Lesereichweite und Funktionsumfang usw.



3. Arbeitsweise

Prinzipiell funktioniert die Reader Tag Kommunikation so: Der Reader erzeugt je nach Arbeitsfrequenz der Reader/Tag Kombination ein magnetisches (HF) oder elektromagnetisches (UHF) Feld, welches die Antenne des RFID-Transponders empfängt. In der Antenne, welche als Spule dient, wird durch Induktion Strom erzeugt. Dieser aktiviert den Mikrochip im RFID Tag. Durch den induzierten Strom wird bei passiven Tags zudem ein Kondensator aufgeladen, welcher für dauerhafte Stromversorgung des Chips sorgt. Dies übernimmt bei aktiven Tags eine eingebaute Batterie.

Ist der Mikrochip einmal aktiviert, so empfängt er vom Lesegerät modulierte Befehle. Indem der Tag eine Antwort in das vom Reader ausgesendete Feld moduliert, sendet er seine Seriennummer oder andere vom Reader abgefragte Daten.

Dabei sendet der Tag selbst kein Feld aus, sondern verändert nur das magnetische (HF-Tag) Feld des Readers durch so genannte Lastmodulation, indem er die Energie des Feldes durch Kurzschließen „verbraucht“, was wiederum der Reader detektiert. Prinzipienbedingt kann ein 13,56 MHz Tag daher nur im magnetischen Nahfeld gelesen werden, welche eine Reichweite von Lambda/2 hat. Bei 13,56 MHz also maximal 11,1 Meter. In der Praxis befindet sich die maximale Reichweite jedoch weit darunter.

Im UHF Bereich bei 865 – 920 MHz reflektiert die Transponderantenne nach gleichem Prinzip das elektromagnetische Feld oder absorbiert dieses, so dass das Verhältnis der Reflektionsänderung vom Reader wahrgenommen werden kann. Dies nennt man Backscattering. Wasser absorbiert diese Strahlung sehr stark, Metall hingegen reflektiert diese Strahlung sehr stark. Dies bedeutet, dass ein Tag in Wasser und auf Metall kaum lesbar ist.

Da die Energieversorgung des Mikrochips bei beiden Verfahren durchgehend sichergestellt sein muss, muss der Reader ein dauerhaftes Feld erzeugen. Dieses nennt man im UHF Bereich daher „Continuous Wave“. Da die Feldenergie quadratisch mit der Entfernung abnimmt und diese Entfernung in beide Richtungen - vom Reader zum Tag und zurück - zurückgelegt werden muss, muss diese Continuous Wave recht energiereich sein. Üblicherweise verwendet man hier zwischen 0,5 und 2 Watt EIRP (EIRP bedeutet Effective Isotropic Radiated Power, also effektive Strahlungsleistung).

Diese Leistung würde am Reader sämtliche Tagantworten überstrahlen und damit unlesbar machen. Daher antwortet der UHF Tag nicht in der Frequenz der Continuous Wave, sondern in einem so genannten Seitenband. Indem der Tag mit einer Frequenz von 200 KHz ein Antwortsignal moduliert, erzeugt er automatisch Seitenbänder, welche 200 KHz überhalb und unterhalb dieser Continuous Wave liegen. Damit liegen diese genau im Nachbarkanal der von der ETSI spezifizierten Funkregelung (Das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen - Kürzel ETSI; englisch: European Telecommunications Standards Institute - ist eine der drei großen Normungsorganisationen in Europa). Diese können durch Ausblendung der Continuous Wave im Lesegerät problemlos gelesen werden.

Für Spezialanwendungen können auch Kryptographiemodule oder externe Sensoren wie z. B. GPS in den RFID-Transponder integriert sein. Auch die RFID-Sende-Empfangseinheiten unterscheiden sich in Funktionsumfang und Aussehen. So ist es möglich, sie direkt in Regale oder Personenschleusen (z. B. bei der Grenzabfertigung) zu integrieren.

Die Vielzahl von unterschiedlichen Geräten und Etiketten ist nur zu sehr geringem Teil vollständig kompatibel. Regional unterscheiden sich die verwendeten Frequenzen und bevorzugten Standards.

Tendenziell weisen die zwei RFID-Transpondertypen also folgende Unterschiede auf:

Eigenschaft Aktiv Passiv
Bauform groß klein
Gewicht groß gering
Sendereichweite groß gering
Speicherplatz groß gering
Anschaffungspreis hoch gering
Wartungsaufwand hoch gering
mehrfach beschreibbar ja evtl.


4. Verwendete Frequenzbereiche

Für den Einsatz werden drei Frequenzbänder vorgeschlagen:



  • Niedrige Frequenzen (LF, 30 - 500 kHz). Diese Systeme weisen eine geringe Reichweite auf, arbeiten in der am häufigsten verwendeten 64 Bit Read Only Technologie einwandfrei und schnell genug für viele Anwendungen. Bei größeren Datenmengen ergeben sich längere Übertragungszeiten. LF-Transponder sind günstig in der Anschaffung, kommen mit hoher (Luft-) Feuchtigkeit und Metall zurecht und werden in vielfältigen Bauformen angeboten. Diese Eigenschaften begünstigen den Einsatz in rauen Industrieumgebungen, sie werden jedoch auch z. B. für Zugangskontrollen, Wegfahrsperren und Lagerverwaltung (häufig 125 kHz) verwendet. LF-Versionen eignen sich auch für den Einsatzfall in explosionsgefährdeten Bereichen. Hier können ATEX zertifizierte Versionen eingesetzt werden (ATEX - Seit dem 01. Juli 2003 müssen Geräte und Schutzsysteme zur Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen die neue Richtlinie 94/9/EG (ATEX 95) erfüllen. Die Europäische Gemeinschaft hat sich mit dieser Richtlinie eine Basis für verbindliche einheitliche Beschaffenheits-, Installations- sowie Wartungsanforderungen hinsichtlich des Explosionsschutzes von Systemen, Geräten und Komponenten geschaffen. Aufgrund der verschiedenen internationalen Gegebenheiten ergeben sich für Maschinen- und Anlagenhersteller sowie deren Kunden eine Reihe von Änderungen).

 

  • Hohe Frequenzen (HF, 10 - 15 MHz). Kurze bis mittlere Reichweite, mittlere Übertragungsgeschwindigkeit, mittlere bis günstige Preisklasse. In diesem Frequenzbereich arbeiten die sog. Smart Label (meist 13,56 MHz).

 

  • Sehr hohe Frequenzen (UHF, 850 - 950 MHz, 2,4 - 2,5 GHz, 5,8 GHz). Hohe Reichweite (30 Meter und mehr) und hohe Lesegeschwindigkeit. Sie werden  z. B. im Bereich der automatisierten Mautsysteme und Güterwagen-Erkennung eingesetzt. Typische Frequenzen sind 433 MHz, 868 MHz, 915 MHz, 2,45 GHz = µW (Microwave) und 5,8 GHz.

5. Entwicklung der RFID-Technologie

In den 60`er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die ersten kommerziellen Vorläufer der RFID-Technik entwickelt, bei denen es sich um elektronische Warensicherungssysteme (engl. Electronic Article Surveillance, EAS) mit 1 Bit Speicherkapazität handelte. Mit dieser Technologie sollten Warendiebstähle reduziert bzw. verhindert werden, indem über Induktion oder Mikrowellen geprüft wurde, ob die Markierung noch vorhanden war oder entfernt wurde.

Ein wesentlicher Entwicklungsschub der Technologie ergab sich durch den Einsatz in den 90`er Jahren im Bereich der Transport- und Verkehrssysteme in Form von Mautsystemen. Die RFID-Technologie wurde beispielsweise in den USA für Mautsysteme eingesetzt; weitere folgende Entwicklungen umfassten Systeme für Zugangskontrollen, bargeldloses Zahlen, Skipässe, Tankkarten, elektronische Wegfahrsperren u. a.

1999 wurde mit Gründung des Auto-ID Centers am MIT die Entwicklung eines globalen Standards zur Warenidentifikation eingeläutet. Mit Abschluss der Arbeiten zum Electronic Product Code (EPC) wurde das Auto-ID Center 2003 geschlossen. Gleichzeitig wurden die Ergebnisse an die von Uniform Code Council (UCC) und EAN International (heute GS1 US und GS1) neu gegründete EPCglobal Inc. übergeben (Quelle Wickipedia).

EPCglobal Inc. ist eine gemeinnützige Organisation, die von der Industrie beauftragt wurde, das EPCglobal Network als globalen Standard für die automatische Echtzeit-Identifikation von Informationen in der Lieferkette von Unternehmen  und Organisationen weltweit zu etablieren und zu unterstützen.



6. Einsatzgebiete der RFID-Technologie

Transponder werden seit Beginn des Einsatzes vorwiegend als LF 125 kHz passive Versionen in großen Mengen mit ca. 55 Millionen Stück pro Jahr allein in der Wegfahrsperrenanwendung als GLASS TAG oder Stick (auch wedge genannt) produziert und eingesetzt. ISOCARD, CLAMSHELL Card Bauformen aus dem LF 125 kHz Bereich sind die weltweit am häufigsten verwendeten Bauformen im Bereich Zutrittskontrolle und Zeiterfassung.

Im Bereich E-PURSE (elektronische Geldbörse) und Ticketing findet die 13,56 MHz Mifare Technologie Anwendung und wird in fast allen Metropolen weltweit (Seoul, Moskau, London, Warschau etc.) in U-Bahnen, Bussen und als Universitäts- und Studentenausweis genutzt.

Transponder in Form von Etiketten werden erst seit dem Jahr 2000 in großen Stückzahlen hergestellt. Genauso aber existieren auch Bauformen, die im Autoschlüssel eingebaut sind (Wegfahrsperre), Glasröhrchen bzw. Implantate (Tieridentifikation), Pansenboli (Tieridentifikation), Ohrmarken (Tieridentifikation), Nägel und PU Disk TAGs (Palettenidentifikation), Chipcoins (Abrechnungssystem z. B. in öffentlichen Bädern) oder Chipkarten (Zutrittskontrolle) u. a.  (Quelle Wickipedia)

Beispiele für Einsatzgebiete der RFID-Technologie

Tieridentifikation
Seit den 1970er Jahren kommen RFID-Transponder auch bei Tieren zum Einsatz. Neben der Kennzeichnung von Nutztieren mit Halsbändern, Ohrmarken und Boli werden Implantate insbesondere bei Haustieren verwendet

Automobile Wegfahrsperre

Als Bestandteil des Fahrzeug-Schlüssels bilden Transponder das Rückgrat der elektronischen Wegfahrsperren. Der Transponder wird dabei im eingesteckten Zustand über eine Zündschloss-Lesespule ausgelesen und stellt mit seinem abgespeicherten Code das eigentliche Schlüssel-Element des Fahrzeug-Schlüssels dar. Für diesen Zweck werden üblicherweise Crypto-Transponder eingesetzt.

Kontaktlose Chipkarten

In Asien weit verbreitet sind berührungslose, wiederaufladbare Fahrkarten. Weltweiter Marktführer für das sog. Ticketing ist Philips mit seinem Mifare-System. In USA sollen Systeme zur Zutrittskontrolle und Zeiterfassung bereits häufig mit RFID-Technik realisiert sein. Manche Kreditkarten-Anbieter setzten RFID-Chips bereits als Nachfolger von Magnetstreifen bzw. Kontakt-Chips ein.

Waren- und Bestandsmanagement

Bei Bibliotheken werden RFID-Transponder zur Bestandskontrolle verwendet. Einige RFID-Lesegeräte sind im Prinzip in der Lage, spezielle RFID-Transponder stapelweise und berührungslos zu lesen. Dieses Leistungsmerkmal bezeichnet man mit Pulklesung. Das bedeutet etwa bei der Entleihe und Rückgabe, dass die Bücher nicht einzeln aufgelegt und gescannt werden müssen. An den Türen und Aufgängen befinden sich Lesegeräte, die wie Sicherheitsschranken in den Kaufhäusern aussehen. Sie kontrollieren die korrekte Entleihe. Bild 6 zeigt beispielhaft, wie eine RFID-gestützte Logistikkette zukünftig in der Materialwirtschaft aussehen kann.

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Bild 6: RFID-gestützte Logistikkette in der Materialwirtschaft (Quelle Siemens)

Positionsidentifikation
Im industriellen Einsatz sind fahrerlose Transportsysteme (AGV), bei der die Position mit Hilfe von im Boden eingebauten Transpondern bestimmt wird.

Rückverfolgung von industriell hergestellten Gütern vom Punkt der Herstellung bis zu dem Ort, an dem sie zum Verkauf in die Regale gestellt werden. RFID-Etiketten können dabei helfen, sicherzustellen, dass Produkte nicht verloren gehen oder gestohlen werden, während sie die Lieferkette durchlaufen. Die Etiketten können auch sicherstellen, dass die Waren sachgemäß behandelt werden. Die Etiketten sollen ausschließlich außen an den Produktverpackungen angebracht (nicht in die Verpackung integriert) und dauerhaft zerstört werden, bevor Verbraucherinnen und Verbraucher mit ihnen in Geschäften in Kontakt kommen.

Fahrzeugidentifikation
Die E-Plate-Nummernschilder identifizieren sich automatisch an Lesegeräten. Dadurch sind Zugangskontrollen, Innenstadtmautsysteme und auch Section-Control-Geschwindigkeitsmessungen möglich. Bei entsprechend dichtem Sensorennetz lassen sich auch Wegeprofile erstellen.


Management von Großereignissen wie Messen usw.
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Bild 7 zeigt beispielhaft, wie RFID-Technologie dazu beitragen kann, Messebesuche und sonstige Informationsveranstaltungen zu gestalten und zu optimieren. Ein Besucher erhält ein Eintrittsticket bzw. Ausweis mit RFID-Transponder, der ihn beim Betreten des Messegeländes identifiziert und an bestimmten Ständen voranmeldet. Beim Verlassen der Messe erhält der Besucher automatisch gewünschte Informationen auf elektronischem Wege bzw. per E-Mail zugestellt.

Patientenidentifikation
Im November 2004 genehmigte die US-amerikanische Gesundheitsbehörde (FDA) den Einsatz des "VeriChip" am Menschen. Der Transponder der US Firma Applied Digital Solutions wird unter der Haut eingepflanzt. Geworben wird mit einfacher Verfügbarkeit lebenswichtiger Informationen im Notfall.



7. Einsatzgebiete in der Medizin und Medizintechnik

Folgende grundsätzliche Einsatzgebiete der RFID-Technologie zeichnen sich im Gesundheitswesen ab:
  • Patientenidentifikation
  • Materialwirtschaft mit fallbezogener Zuordnung aller Verbrauchsartikel und Einsatz von Medizinprodukten
  • Medikamentenidentifikation (Sicherheitsaspekte, Verwechselungsgefahr)
  • Datensicherheit durch PKI (Personal Key Identification) mittel Zugangs- und Zutrittsberechtigung
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Bild 8: Übersicht über Einsatzgebiete der RFID-Technologie im Gesundheitswesen

Materialwirtschaft bzw. Supply Chain Management

Die Standardisierungsorganisation EPCglobal hat mit „Applikation Level Events“  (ALE) den ersten Softwarestandard für RFID-Techniken verabschiedet. Über 100 Unternehmen entwickelten den „Applikation Level Events“. Er soll herstellerübergreifend die Interoperabilität von Applikationen gewährleisten, die RFID-Daten sammeln, verwalten und verteilen. Für Krankenhäuser können sich durch Radio Frequency Identification (RFID) erhebliche Vorteile ergeben.  
Die zur Zeit noch sehr stark auf Handel und Logistik konzentrierten Anwendungen der RFID-Technologie werden bald auch im Gesundheitswesen bei Medicalprodukten Einzug halten, da mit dieser Technologie hohe Rationalisierungs- und Automatisierungspotenziale bei der Verfolgung, Dokumentation, Abrechnung und Nachbestellung von Medicalprodukten ausgeschöpft werden können. Zugleich kann ein vollständiger, fallkostenbezogener Verbrauchsnachweis an Materialien pro Patient, OP usw. erfasst werden.

Die im Transponder gespeicherten Informationen beinhalten beispielsweise eine eindeutige Nummer, die Hersteller- und Produktkennung zur Wareneinheit und zu den entsprechenden Artikeln. Die Daten werden beim Passieren eines Readers oder Gates, wie beim Wareneingang, an diesen übertragen.

Eine Middleware sorgt dafür, dass die Daten strukturiert und eindeutig an weitere Systeme, z. B. ERP (Enterprise-Resource-Planning)-Systeme, weitergeleitet und verarbeitet werden.

Diese ermöglichen ein umfängliches Track & Tracing UND die aktive Steuerung der Waren über die logistische Kette hinweg sowie Supply-Chain-Management. Im Bereich des Verbrauches von Medicalprodukten kann auf diese Weise eine automatisierte Nachlieferung ohne Unterbrechung der Versorgungskette und ohne manuelle Bestellung des medizinischen Personals erfolgen. Zugleich kann eine Kostenzuordnung zu jedem Fall bzw. zu jedem Patienten erfolgen und eine genaue Kostenkontrolle im Rahmen der DRG-Fallpauschale erfolgen.

RFID-Technologie besitzt das Potenzial, die bisherige Zuordnung von Kosten zu Budgets bzw. Kostenstellen zu ersetzen durch eine Zuordnung der Kosten zu dem einzelnen individuellen Patienten bzw. Fall, um darüber ein Fall- und Materialcontrolling betreiben zu können.

Medikamentenüberwachung in Form der Rückverfolgung von Medikamenten vom Punkt der Herstellung bis zum Punkt der Ausgabe:

RFID-Etiketten könnten eingesetzt werden, um sicherzustellen,

                        dass Medikamente nicht gefälscht sind,

                        dass mit ihnen sachgemäß umgegangen wird

                        und dass sie korrekt ausgegeben werden.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA empfiehlt den Einsatz von RFID-Tags im Kampf gegen gefälschte Medikamente als Echtheitsnachweis.

RFID-Etiketten, die auf oder in Medikamentenbehältern enthalten sind, sollen physisch entfernt oder dauerhaft außer Funktion gesetzt werden, bevor sie an Verbraucherinnen oder Verbraucher verkauft werden.

Diese so genannten Transponder lassen sich in diversen Bereichen des klinischen Alltags einsetzen. Der mögliche Nutzen von RFID-Technologie zeigt sich etwa durch Zeitersparnis beim Authentifizieren von Ärzten und Pflegepersonal, durch Kostensenkung bei der  Inventarisierung von Geräten und Materialien oder auch einer Verbesserung des Qualitätsmanagements durch Zugriffskontrolle für Medikamente und Akten. 
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Bild 9: Starre Optik als mögliche Anwendung für RFID in der Medizintechnik

Eine beispielhafte Möglichkeit der Anwendung in der Medizintechnik besteht in der Identifikation von Starren Optiken wie in Bild 9 abgebildet. Integrierte, autoklavierbare Transponder können registrieren, wann ein Autoklavierzyklus durchgeführt wird und somit die Häufigkeit der Aufbereitungszyklen protokollieren. Weiterhin können in einem RFID-Chip Instandhaltungen protokolliert werden, so dass diese Technologie erheblich dazu beitragen kann, den Bestand an Optiken eines Krankenhauses kostenoptimiert zu betreiben.

Weitere mögliche Anwendungen bestehen beispielsweise bei Krankenhausbetten, die ebenfalls über einen RFID-Transponder identifiziert und instandgehalten/gereinigt werden können.



Klinische Anwendung bei der Patientenüberwachung

Künftig könnten Klinik-Ärzte (Literaturangabe 2) beim Händeschütteln über die Krankenge- schichte ihrer Patienten im Bild sein. Das ermöglichen Funkarmbänder von Siemens mit einem Radio-Frequency-Identification-Chip (RFID), die Patienten am Handgelenk gemäß
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Bild 10: RFID-gestützte Patientenidentifikation (Quelle Siemens)

Bei der Klinik-Aufnahme werden die Daten der Patienten in einer elektronischen Akte gespeichert. Anschließend erhalten sie ein Armband aus Papier mit einem halben Quadratmillimeter kleinen Chip, auf dem aus Datenschutzgründen nicht die gesamte Krankenakte, sondern nur deren Webadresse im Zentralrechner gespeichert ist.

Am Krankenbett können Ärzte mit einem RFID-fähigen kleinen mobilen Computer - einem Personal Digital Assistent (PDA) - die Informationen sofort lesen. Über ein drahtloses Computernetz Wireless Local Area Network (WLAN) für kabellose Internetzugänge per Funkverbindung erhalten die Mediziner Zugriff auf die Datenbank und können sich alle Daten auf den PDA herunterladen. Bild 10 zeigt das in New York und Saarbrücken erstmals in der Praxis eingesetzte Verfahren der Patientenidentifikation mittels Armband, das einen RFID-Transponder enthält.
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Bild 11: Armband mit RFID-Technologie (Quelle Siemens)

Siemens hat das Funkarmband in einem Pilotprojekt im einem New Yorker Krankenhaus mit insgesamt 200 Patienten getestet. Zudem entwickelt das Unternehmen eine RFID-Uhr, die Position und Herzfrequenz des Trägers versenden kann. Dafür sollen auf dem Klinik-Areal mehrere kleine Antennen aufgestellt werden, die den Standort auf zwei Meter genau ermitteln können.

Ein Sensor, den Patienten an der Brust tragen, misst die Herzwerte und übermittelt sie an die Uhr. Das Gerät funkt die Werte und den Standort an den Arzt. Verschlechtert sich der Zustand des Patienten, etwa während eines Spaziergangs im Krankenhauspark, wissen die Mediziner sofort seinen Aufenthaltsort und können eingreifen. Risikopatienten sind somit auch außerhalb ihres Zimmers unter ärztlicher Aufsicht.

Das Klinikum Saarbrücken hat im Rahmen eines Pilotprojekts (Literaturangabe 2)  eine RFID-basierte (Radio Frequency Identification) Patientenidentifikation gestartet. Ziel ist es, gemeinsam mit den Technologiepartnern Siemens Business Services, Intel und Fujitsu Siemens Computers einen einfacheren Zugriff auf Patientendaten zu realisieren.

Gleichzeitig soll IT und RFID-Technik zu einer größeren Medikamenten- und Dosierungssicherheit beitragen. In das Projekt werden rund 1.000 Patienten eingebunden.

Patienten erhalten künftig bei der Aufnahme in das Klinikum Saarbrücken ein Armband mit integriertem RFID-Chip, der die Patientennummer enthält. Mittels Tablet-PCs und PDAs lesen Ärzte und Pflegepersonal die Nummer aus und können so die Patienten in Sekundenschnelle identifizieren.

Damit erhalten die Berechtigten online via WLAN Zugriff auf eine geschützte Datenbank mit Details zu den Patientendaten einschließlich der zu verabreichenden Arzneimittel und deren Dosierung. Schutz vor unbefugtem Zugriff gewährleistet modernste Verschlüsselungstechnik.

Das Saarbrücker Projekt basiert auf einer RFID-Lösung, die bereits im Jacobi Medical Center in New York City im Einsatz ist und vom Health Care Research & Innovations Congress (HCRIC) als Innovation im Bereich Patientensicherheit ausgezeichnet wurde.

Besonderes Augenmerk wird im Rahmen dieses Pilotprojekts auf die Medikamentensicherheit gelegt. Mit der Möglichkeit, die Patienten schneller und leichter zu identifizieren, kann das Pflegepersonal die Betreuung intensivieren und Medikamente einfacher und sicherer zuteilen. So lassen sich etwa kritische Daten und Risikofaktoren, wie bekannte Allergien, für jeden Patienten hinterlegen.

Die Patienten, die an dem Pilotprojekt teilnehmen, können zudem selbst Informationen über ihren Gesundheitszustand via Infoterminals abfragen. Hierzu zählen beispielsweise Blutdruckwerte, Gewicht, Behandlungs- oder Entlassungstermine. Des Weiteren können sie sich über die diagnostizierte Krankheit und die gängigen Therapieformen informieren.

Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat den Einsatz von RFID-Chips zur Patientenidentifikation zugelassen. Der als "Surgichip" bezeichnete Transponder der gleichnamigen Firma soll verhindern, dass Patienten der falschen Operation unterzogen werden.

Der Patient bekommt das Funklabel schon bei der Aufnahme ins Krankenhaus aufgeklebt - möglichst nahe an der zu operierenden Stelle. Der Chip enthält sowohl die persönlichen Daten des Kranken als auch eine Referenz auf den vorzunehmenden Eingriff. Bevor der Patient narkotisiert wird, liest ein Arzt den Chip aus und lässt sich den Eingriff bestätigen - wohl hauptsächlich ein Schutz für Ärzte und Krankenhäuser vor möglichen Klagen. Direkt vor der OP prüft der Chirurg dann ein letztes Mal, ob der richtige Patient auf dem OP-Tisch liegt und welcher Eingriff durchgeführt werden soll.

In einer Studie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) aus dem Jahr 2002 wurden 64.000 Krebsbehandlungen begutachtet. Das Ergebnis: 245 Mal kam es zu Beinahe-Verschreibungsfehlern bei Arzneien. "Davon hätten 24 Fehler sogar tödlich sein können", sagt Michael Baehr, Leiter der Krankenhausapotheke des UKE.

Mit einem neuen Patientenkennzeichnungssystem will die Uniklinik seit Anfang des Jahres tödliche Fehler eindämmen. Der Patient erhält bereits bei der Aufnahme ein Armband mit persönlichem Strichcode. Auf einem Mini-Computer direkt am Patientenbett verordnet der Arzt die Arznei. Neben- und Wechselwirkungen zeigt das System gleich an. Bei der Verabreichung der Medikamente werden diese mit dem Datenband am Arm des Patienten abgeglichen.

Seit Januar 2005 ist das System in der Fachstation für Lungenkrankheiten im Einsatz. Zwei chirurgische Stationen und eine Station für Innere Medizin sollen folgen. Im Jahr 2008 wird das System flächendeckend in den über 50 Stationen im Einsatz sein.

Ein weiteres Einsatzgebiet von aktiven Transpondern in der Medizintechnik stellt z. B. die Messung des Augeninnendrucks über Drucksensoren dar, die bei ophthalmologischen Patienten eine permanente Überwachung des Augeninnendrucks ermöglichen können.

Instandhaltungsprozesse in der Medizintechnik

Wartung und Dienstleistung

Um wirklich effizient und erfolgreich arbeiten zu können, müssen heutzutage Techniker und andere Wartungskräfte aktuelle Informationen und Auftragsdaten mitführen. Typischerweise wird zum Beispiel Materialbedarf  immer noch auf Papier ermittelt und weitergereicht. Handheld Computer eignen sich auch in diesem Bereich perfekt, diesen Prozess sicher zu machen und zu beschleunigen. So kann der Materialbedarf für den nächsten Tag automatisch an die Ausgabestelle übermittelt und die erbrachten Leistungen sofort an die Rechnungsstelle übertragen werden.

RFID-Funketiketten erlauben es, aktive Medizinprodukte, Arbeitsmaterialien und andere Ressourcen drahtlos zu identifizieren und zu lokalisieren. Mittels Transponder können fehlende mobile Geräte im Krankenhaus überwacht und lokalisiert werden, so dass sie insbesondere bei fälligen STK-/MTK-Prüfungen aufgefunden werden. Die RFID-Technologie kann die Überwachung aller mobilen Geräte sicherstellen, die nicht über eine Netzwerkanbindung verfügen und über Remote Service überwacht werden bzw. sich automatisch softwaregesteuert bei Problemen und fälligen Prüfungen/Wartungsterminen melden.

Potenzielle Sicherheitsaspekte beim Tragen von implantierten Transpondern

Patienten mit RFID-Implantaten können Schäden bei Untersuchungen in Kernspintomographen davontragen, indem sie regelrechte Brandlöcher in der Haut bzw. dem Gewebe erhalten. Derartige Implantate können  durch die Magnetfelder erhitzt werden und im schlimmsten Fall innerhalb des Körpergewebes mit entsprechenden Folgen sogar verglühen.

Nach Quellenangabe 10 amerikanische Nahrungsmittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) hat die Zulassung für implantierte Funk-Chips erteilt, ohne dieses potenzielle Sicherheitsrisiko zu prüfen.

Neben möglichen Verbrennungen des Gewebes können RFID-Implantate im Kernspintomographen auch verrutschen. Außerdem sind nach Literaturangabe 10 elektrische Flusseffekte zu beobachten, was bedeutet, dass der Patient im Kernspintomographen. dann ungefähr das gleiche wie ein Stück Alu-Folie in der Mikrowelle durchmacht.

Auch wenn die RFID-Chips in reaktionsneutrales Glas eingegossen sind, das allergische Reaktionen ausschließen soll, stellen sie dennoch einen Fremdkörper dar,  den der Körper abstoßen kann. Dieser Abstoßungsprozess kann mit unangenehmen körperlichen Reaktionen begleitet sein.

Sicherheit und Datenschutz

  • Die Gefahr der RFID-Technik liegt zum Beispiel im Verlust der informationellen Selbstbestimmung, d. h. die einzelne Person hat durch die "versteckten" Sender keinen Einfluss mehr darauf, welche Informationen preisgegeben werden. Deshalb ist der bevorstehende massenhafte Einsatz von RFID-Transpondern unter Datenschutz-Gesichtspunkten problematisch. Um dem zu entgehen, schlagen manche Kritiker die Zerstörung der RFID-Transponder nach dem Kauf vor. Dies könnte (ähnlich wie bei der Deaktivierung der Diebstahlsicherung) an der Kasse geschehen. Ein Nachweis, dass ein Transponder wirklich zerstört bzw. sein Speicher wirklich gelöscht wurde, wird für den Verbraucher zukünftig über RFID enabled Handys möglich sein.
  • Weiterhin ist die Integration zusätzlicher, nicht dokumentierter Speicherzellen oder Transponder denkbar. Für den Verbraucher wird ein RFID-Transponder so zur Black Box, weshalb manche eine lückenlose Überwachung des gesamten Produktionsprozesses fordern.
  • Sobald mit RFID-Transpondern gekennzeichnete Waren Metallfolien oder Flüssigkeiten enthalten oder aus Metall bestehen, kann ein Transponder u.U. nicht mehr gelesen werden. Wenn mehrere solcher Waren auf einer Palette oder in einem Einkaufswagen liegen, wird die Problematik deutlich. Das gewünschte "Bulk Scanning" ist daher heute in diesen Sensoren nicht so ohne weiteres zu realisieren.
  • Ungelöst ist derzeit noch das Problem der Entsorgung der Transponder als Elektronikschrott beim Masseneinsatz wie z. B. bei Supermarktartikeln. Daher wird daran geforscht, für RFID-Transponder andere Materialien (z. B. auf Polymerbasis) zu verwenden.
  • Bei Verwendung von RFID-Techniken im Gesundheitswesen zur Patientenidentifikation werden Patientendaten gespeichert. Aus Datenschutzrechtlichen Gründen muss der Missbrauch durch Unbefugte bzw. Dritte ausgeschlossen sein. Ebenso darf kein unberechtigtes Lesen bzw. eine Manipulation der Daten ausgeschlossen sein.

Potenzielle Angriffs- bzw. Schutzszenarien

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die korrekte Funktion von RFID-Geräten zu stören.

  • Man kann versuchen zu verhindern, dass die RFID-Transponder ihre Energie erhalten. Hier kann man beispielsweise die Batterie herausnehmen oder die RFID-Transponder in einen Faradayschen Käfig stecken (z. B. Alufolie). Dadurch bekommt der RFID-Transponder nicht mehr die nötige Energie, um ein Signal auszusenden.
  • Natürlich kann man auch ein Störsignal aussenden. Bevorzugt auf der Frequenz, auf der auch der RFID-Transponder sendet. Dadurch können die recht schwachen Signale des RFID-Transponders nicht mehr empfangen werden.
  • Wird ein einfacher Speicherchip zur Authentifizierung benutzt, so kann man auch das Signal einmal aufzeichnen und zu einem späteren Zeitpunkt wiedergeben. Für den Leser erscheint es dann, als ob sich der richtige RFID-Transponder im Feld befände. Bei sicherheitskritischen Anwendungen (z. B. Speicherung der Biomerkmale in den Reisepässen) sind deshalb heute ausschließlich Cryptochips zu verwenden.




Zusammenfassung

Die RFID-Technologie steht an der Schwelle, Patientenversorgungsprozesse, die Logistik und die Instandhaltung im Krankenhaus und Gesundheitswesen zu verändern und zu beschleunigen. Anwendungen und Einsatzgebiete dieser Technologie werden teilweise noch kritisch diskutiert, andererseits zeigen erste Projekte durchaus Potenziale für eine verbesserte Produktivität, Sicherheit und Qualität der Patientenversorgung. Trotz noch vorhandener Probleme und Kostenaufwendungen wird diese Technologie dazu beitragen, Logistik- und Instandhaltungsprozesse rationeller zu gestalten. Die Sicherheitsaspekte sind nicht unbeträchtlich und müssen auch im Sinne von Standards unter Beachtung des Datenschutzes gelöst werden. Die Medizintechnik muss sich ebenfalls mit der RFID-Technologie als Teil der Informationstechnologie auseinandersetzen, die zukünftig Qualität und Schnelligkeit der Versorgungs- und Instandhaltungsprozesse prägen wird.

 

 


 

Autor:
Armin Gärtner
Ingenieurbüro für Medizintechnik
Ö. b. u. v. Sachverständiger für Medizintechnik und Telemedizin
Edith-Stein-Weg 8
40699 Erkrath

 

 


 

Literatur und Quellenangaben
1.     Finkenzeller, K.; RFID-Handbuch 3. Auflage: Carl Hanser Verlag München, 2002
ISBN 3-446-22071-2

2.     Hensold, S.; Funktechnik im Klinikbereich – RFID-basierte Patientenidentifikation im Klinikum Saarbrücken, Krankenhaus Umschau 9/2005, s. 748 – 750

3.     Kern, C.; Anwendung von RFID-Systemen Reihe: VDI-Buch 2006, XXII, 242 S. 166,  ISBN: 3-540-27725-0 Springer Verlag

4.     Reiter, M.; RFID verbessert Prozesse, Wirtschaftlichkeit und Qualität, Management und Krankenhaus 09/2005 S. 24 – 25

5.     Dicks, A.; Patientensicherheit mit Hilfe von RFID, Management und Krankenhaus 09/2005 S. 24
6.     Miller, F.; RFID – bald funkt es überall, Fraunhofer Magazin 4/2004
7.     Dahm, R.; Heisse Luft oder Quantensprung? RFID im klinischen Einsatz einmal kritisch, Krankenhaus-ITJournal, Ausgabe 6/2005, S. 8 -11
8.     http://www.rfid-handbook.de/
9.     http://www.bsi.de/fachthem/rfid/studie.htm
10.     http://www.netzwelt.de/news/67872-rfidimplantate-risiken-und-nebenwirkungen.html
11.     http://www.geodan.nl/uk/geodan/nieuws/pdf/32_Spitalmanagement.pdf
12.     http://de.wikipedia.org/wiki/RFID
13.     http://www.rfid-journal.de/
14.     http://www.bsi.bund.de/fachthem/rfid/RIKCHA.pdf

 
 

Externe Links:

 

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